Herzinsuffizienz – wenn das Herz schlapp macht

Herzerkrankungen kommen auch bei unseren Vierbeinern relativ häufig vor. Fast jeder zehnte Hund ist betroffen. Von einer Herzinsuffizienz oder Herzschwäche spricht man, wenn das Herz nicht mehr genügend Blut in den Kreislauf pumpen kann, so dass der Organismus nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

INHALT
Der Herz-Lungen-Kreislauf Ursachen und Entstehung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Der Herz-Lungen-Kreislauf

Das Blut wird in der Lunge mit Sauerstoff angereichert und fließt von dort in die linke Herzhälfte, wobei es zuerst in die Vorkammer und dann in die Herzkammer gelangt. Das Herz pumpt nun durch Zusammenziehen des Herzmuskels mit jedem Herzschlag das Blut über das Gefäßsystem in die Muskeln, das Gehirn und alle Organe des Körpers. Verbrauchtes, sauerstoffarmes Blut gelangt aus dem Körper in die rechte Herzhälfte, von wo es wieder zur Sauerstoffanreicherung in die Lunge gepumpt wird. Die Herzklappen verbinden Vorhöfe und Kammern miteinander und dienen in diesem Kreislauf als Ventile, die dafür sorgen, dass das Blut nur in eine Richtung und nicht zurück fließt.  

Schema Blutkreislauf
1 Lunge | 2 Lungenarterie | 3 Lungenkreislauf | 4 Körpervene | 5 Körperkreislauf | 6 Lungenkapillaren | 7 Lungenvene | 8 Herz | 9 Hauptschlagader | 10 Körperkapillaren | Rot: Sauerstoffreiches Blut | Blau: Sauerstoffarmes Blut
Ursachen und Entstehung

Man unterscheidet beim Hund angeborene von erworbenen und akute von chronischen Herzerkrankungen. Zu den angeborenen Erkrankungen gehören Missbildungen, die eine natürliche Funktion des Herzens verhindern. Eine erworbene Herzinsuffizienz entsteht in den meisten Fällen in Folge von Erkrankungen der Herzklappen oder des Herzmuskels. Aber auch Herzbeutelergüsse oder Tumore können zu einer Herzschwäche führen.

Die chronische Herzklappenerkrankung gehört zu den häufigsten Herzproblemen des Hundes und betrifft vor allem kleine und mittelgroße Hunderassen ab einem Alter von fünf Jahren. Durch Verschleiß kommt es zu Strukturveränderungen an den Herzklappen. Dies hat zur Folge, dass die Herzklappen nicht mehr richtig schließen und den natürlichen Blutfluss nicht mehr korrekt aufrechterhalten können. Die am häufigsten betroffen Herzklappe ist die Mitralklappe, die den linken Vorhof mit der linken Herzkammer verbindet. Ist sie erkrankt, kommt es zu einem Blutrückfluss in die Lunge und es entsteht ein Lungenödem (=Wassereinlagerung in der Lunge). Bei den selteneren Erkrankungen der Trikuspidalklappe, die zwischen rechtem Vorhof und rechter Herzkammer liegt, staut sich das Blut zurück in den Körper und die Organe. Die Klappenerkrankung und der Rückstau des Blutes ziehen weitere Schäden am Herzen nach sich. So kommt es beispielsweise zu einer krankhaften Vergrößerung des Herzens und zur Herzmuskelschwäche. Herzrhythmusstörungen und Sauerstoffmangel sind die Folge.

Im Fall einer Herzmuskelerkrankung kommt es durch die schwächere und dünner werdende Muskulatur zu einer Erweiterung des Herzens, der sogenannten Herzdilatation, das Herz „leiert aus“. Dadurch kann das Herz nicht mehr ausreichend Blut in den Körper- und Lungenkreislauf pumpen. Jüngere bis mittelalte Hunde großer Rassen wie Dobermann, Dogge oder Irischer Wolfshund sind besonders häufig von dieser relativ schnell verlaufenden Herzmuskelerkrankung betroffen.

Symptome

In den meisten Fällen entwickelt sich eine Herzinsuffizienz schleichend und wird daher nicht immer sofort erkannt. Betroffene Hunde werden zunehmend schlapper und sind nicht mehr so belastbar. Schon nach kurzen Spaziergängen oder geringen Anstrengungen, wie beispielsweise der Freude über den/die Besitzer:in, können Atemnot, starkes Hecheln, Unruhe und trockener Husten auftreten. Im weiteren Verlauf kann es zu Abmagerung und Wassereinlagerungen an Körper und Gliedmaßen kommen.

Schreitet die Erkrankung weiter fort, treten diese Symptome bereits in Ruhe auf. Bei einer Minderdurchblutung des Gehirns kann es in schweren Fällen auch zu Bewusstseinsstörungen und Krämpfen bis hin zu Ohnmacht oder Kollaps kommen.

Diagnose

Solltest du ein oder mehrere der oben genannten Symptome bei deinem Hund feststellen, lass ihn bitte umgehend von deinem/deiner Tierärzt:in untersuchen. Diese/r befragt dich detailliert zur Vorgeschichte deines Hundes. Im Rahmen einer klinischen Untersuchung erhält er/sie wichtige Hinweise auf eine mögliche Herzerkrankung, wie zum Beispiel blasse Schleimhäute, gestaute Venen oder Ödeme (=Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe).

Das Abhören des Herzens und der Lunge liefert daraufhin die ersten konkreten Informationen über eine gestörte Herzfunktion. Weitere spezielle Untersuchungsmethoden, wie EKG (=Elektrokardiogramm), Ultraschall oder Röntgen (siehe entsprechende Artikel) dienen der Bestätigung und genauen Differenzierung der Diagnose.

Röntgenbild Thorax Hund
Im Röntgenbild können die Veränderungen an Herz und Lunge dargestellt werden
Behandlung

Die Schäden an den Herzklappen und der Herzmuskulatur lassen sich nicht rückgängig machen. Um ein ungebremstes Fortschreiten der Erkrankung jedoch zu verhindern, ist oberstes Ziel der Behandlung, die Pumpleistung des Herzens zu verbessern und es in seiner Arbeit zu entlasten. Je früher hier eingegriffen wird, desto weniger Folgeschäden sind zu erwarten.

Eingesetzt werden moderne Medikamente, die die Herzmuskelkraft steigern und die Gefäße erweitern. So wird der Blutdruck gesenkt und das Herz muss mit gesteigerter Leistung gegen weniger Widerstand anarbeiten. Die Verabreichung zusätzlicher entwässernder Medikamente hilft, Flüssigkeitsansammlungen aufzulösen und den Kreislauf zu entlasten. Dein/e Tierärzt:in wird dir im Einzelfall einen genauen Therapieplan erstellen und kann dir die Medikationen für deinen Hund digital an petsXL übermitteln. So findest du alle anstehenden Medikamentengaben in deiner Timeline und kannst dir selbst dazu Erinnerungen einstellen.

Begleitend zur medikamentösen Therapie musst du auf eine ausgewogene, salzarme Ernährung deines herzkranken Hundes achten. Übergewicht ist unbedingt zu vermeiden, da jedes überflüssige Kilo das Herz zusätzlich belastet. Über den petsXL Gesundheitspass kannst du die Gewichtsdaten deines Hundes übersichtlich speichern und kontrollieren. Mindestens genauso wichtig ist die regelmäßige Bewegung, wobei Extrembelastungen vermieden werden sollten.

Je nach Schweregrad und Ausprägung der Herzinsuffizienz wird dein/e Tierärzt:in einen individuellen Behandlungsplan für deinen Hund zusammenstellen. Nur die konsequente Einhaltung dieses Therapieplans und die regelmäßige tägliche und lebenslange Medikamentengabe können das Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern und die Lebensqualität deines Hundes damit erheblich verbessern.

Prognose

Auch wenn die Erkrankung an sich nicht heilbar ist, lässt sich je nach Schweregrad der Herzinsuffizienz mit der entsprechenden Behandlung die Lebensqualität des Hundes deutlich verbessern und sein Leben verlängern. Ist die Erkrankung schon weit fortgeschritten und der Herzmuskel bereits stark geschädigt, ist die Prognose ungünstiger.

Prophylaxe

Das Auftreten von Herzerkrankungen lässt sich leider nicht komplett verhindern. Mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung, artgerechter Haltung, ausreichend Bewegung und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen bei deinem/deiner Tierärzt:in kannst du jedoch dafür sorgen, dass eventuelle Veränderungen frühzeitig erkannt und behandelt werden können.