Das Hornhautgeschwür, auch als Hornhautulcus bezeichnet, gehört zu den häufigsten Erkrankungen am Auge des Pferdes. Es handelt sich dabei nicht um eine Wucherung, sondern um einen Gewebedefekt, der chronisch nicht abheilt und unterschiedliche Ausmaße annehmen kann. Die Therapie eines Hornhautgeschwürs erweist sich als zum Teil sehr frustrierend und nicht oder falsch behandelte Hornhautgeschwüre können zu schwerwiegenden Sehstörungen bis hin zum Verlust des Auges führen.
Die Hornhaut, medizinisch als Cornea bezeichnet, liegt als äußerste, transparente Schicht auf dem Augapfel des Pferdes und ist beteiligt an der Brechung der Lichtstrahlen. Zusammen mit der Linse bildet sie das optische System des Auges. Die Hornhaut ist beim Pferd ungefähr 1 mm dick und besitzt keine eigene Blutversorgung. Über das innere Auge, die angrenzende Sklera (= Lederhaut) und die Tränenflüssigkeit, die für eine stets feuchte und saubere Oberfläche der Hornhaut sorgt, wird diese mit Nährstoffen versorgt. Ein verzweigtes Netz sensibler Nervenfasern durchzieht die gesamte Hornhaut, was erklärt, warum es bei Verletzungen zu starken Schmerzreaktionen kommt.
Die Hornhaut setzt sich aus mehreren Schichten zusammen. Zuoberst, direkt unterhalb des schützenden Tränenfilms liegt die sich ständig erneuernde Epithelschicht, an diese grenzt das Stroma. Es ist die dickste, aber auch schmerzempfindlichste Schicht der Hornhaut. An das Stroma schließt sich die Descemetsche Membran und die darunter liegende empfindliche Endothelmembran an. Die Descemetsche Membran ist äußerst widerstandsfähig und schützt das Auge vor dem Auslaufen, selbst wenn bereits Epithelschicht und Stroma beschädigt sind.
Hornhautgeschwüre, die nur die Epithelschicht betreffen, werden als oberflächliche Geschwüre bezeichnet. Von tiefen Hornhautgeschwüren spricht man, wenn sowohl die Epithelschicht als auch das Stroma mit einbezogen sind. Die Gefahr tiefer Geschwüre ist die zunehmende (zum Teil sehr schnell vorangehende) Einschmelzung von Stromagewebe und eine potentielle Perforation der Descemetschen Membran, was im schlimmsten Fall zum Auslaufen des Auges und zur Ablösung der Netzhaut führen kann.
Die Ursachen eines Hornhautgeschwürs können sehr vielfältig sein. Relativ häufige Auslöser sind Verletzungen oder Fremdkörper, die sich das Pferd im Stall oder auf der Weide zuzieht, aber auch Infektionen des Auges mit Viren, Pilzen, Parasiten oder Bakterien können ein Hornhautgeschwür verursachen. Weiterhin können Feststellungen der Lider oder Wimpern sowie funktionelle Störungen wie eine zu geringe Menge an Tränenflüssigkeit zu starker mechanischer Reizung führen, die einen Hornhautgeschwür zur Folge hat. Ein Hornhautgeschwür kann auch im Zusammenhang mit Erkrankungen des inneren Auges oder durch chemische Reizung (Fliegenspray) entstehen.
Die Krankheitsanzeichen können je nach Ursache und Ausmaß des Hornhautulcus variieren. Die ersten für den Besitzer wahrnehmbaren Symptome sind häufig eine verstärkte Lichtempfindlichkeit und vermehrtes Blinzeln, ein schmerzhaftes Zukneifen der Augen, vermehrter Tränenfluss oder auch schleimiger Ausfluss und gerötete Bindehäute. Bei bereits länger bestehenden Veränderungen können auch bereits mit bloßem Auge ein milchig-weißer, matter Fleck auf dem Augapfel und in die Hornhaut einsprießende Gefäße erkannt werden. Bei zusätzlicher Keimbesiedlung der Hornhaut oder der Bindehäute kann der Ausfluss auch gelblich-eitrig sein.
Solltest du verdächtige Symptome am Auge deines Pferdes feststellen, zögere auch bei harmlos wirkenden Veränderungen nicht, einen Tierarzt zu rufen, da für dich nicht zu erkennen ist, wie tief ein potentielles Geschwür bereits in die Schichten der Hornhaut vorgedrungen ist.
Der Tierarzt wird eine eingehende allgemeine Untersuchung und eine spezielle Augenuntersuchung durchführen. Für detaillierte Untersuchung des Auges stehen ihm mehrere moderne Geräte zur Verfügung, mit denen er sowohl die Hornhaut als auch das Innere des Auges genau betrachten kann. Ein weiteres Hilfsmittel ist die Anfärbung der Hornhaut mit Fluoreszin. Dies ist besonders hilfreich bei minimalen Läsionen, die kaum anders sichtbar gemacht werden können. Bei intakter Hornhaut kann der Farbstoff nicht auf der Hornhaut haften bleiben. Im Falle eines Defektes der Epithelschicht sammelt sich das Fluoreszin im freiliegenden wasserhaltigen Stroma an.
Bei Verdacht einer infektiösen Veränderung werden Tupfer Proben aus dem Auge entnommen und im Labor mikrobiell untersucht, damit das korrekte Präparat zur Therapie ausgewählt werden kann.
Die Art der Behandlung richtet sich in erster Linie nach der Ursache des Geschwürs. Ist der Auslöser oder eine zu Grunde liegende Erkrankung bekannt, sollte dieser abgestellt oder die Krankheit behandelt werden. Die Behandlung eines Hornhautgeschwürs erfolgt in der Regel zuerst medikamentös. Je nach Ursache kommen unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz, die lokal ins Auge verabreicht werden. Dazu gehören schmerzlindernde, entzündungshemmende, antimykotische (= pilzabtötende) oder antibiotische Präparate.
WICHTIG: Bitte verwende nicht eigenständig und vor allem nicht bereits angebrochene Augensalben oder -tropfen am Auge deines erkrankten Pferdes ohne Rücksprache mit dem behandelnden Tierarzt! Insbesondere bei Vorliegen eines Hornhautdefektes darf auf keinen Fall eine Cortison-haltige Augensalbe verabreicht werden, da diese zu dramatischen Komplikationen im Heilungsverlauf führen kann.
Bei weit fortgeschrittener Erkrankung oder nicht ansprechender medikamentöse Therapie ist die chirurgische Vorgehensweise das Mittel der Wahl. Kleinere Defekte des Epithels und Stromas können vom Tierarzt mit speziellem Gewebekleber aufgefüllt werden, der sich im Heilungsverlauf auflöst. Bei großflächigeren, oberflächlichen Defekten kann die Heilung mit Hilfe einer Bindehautschürze, auch „Flap“ genannt, beschleunigt werden. Dabei wird ein Teil der Bindehaut vorübergehend auf der Hornhaut festgenäht, so dass die Hornhaut in diesem Bereich von den Gefäßen der Bindehaut versorgt wird. Bei tieferen Defekten kann eine Hornhauttransplantation die einzig erfolgversprechende Therapie-Methode sein. Hierzu wird dem erkrankten Pferd gesunde Hornhaut eines verstorbenen Pferdes eingesetzt. Die Erfahrungen mit dieser Operationsmethode sind sehr gut, das Gewebe wird nur sehr selten abgestoßen und das Sehvermögen wird erhalten, allerdings sind die Kosten der OP sehr hoch.
Bei Anwendung von Pupillen-erweiternden Medikamenten ist darauf zu achten, dass das betroffene Auge in den darauffolgenden Tagen zuverlässig vor Sonnenlicht geschützt wird. Eine abgedunkelte Box und eine Fliegenmaske bieten Pferden mit Augenerkrankungen einen guten Schutz.
Die Heilungsaussichten eines oberflächlichen Hornhautgeschwürs sind bei rechtzeitiger und konsequenter Behandlung gut. Die Defekte heilen in der Regel innerhalb von 3 bis 7 Tagen vollständig aus. Bei tieferen Geschwüren können die Heilungsaussichten in Abhängigkeit von Ausmaß und Schweregrad der Erkrankung sehr stark variieren. Entscheidend im Hinblick auf die Prognose ist auch der Zeitpunkt der Behandlung und potentielle Komplikationen wie etwa Sekundärinfektionen (= Infektionen mit einem zusätzlichen Erreger). Ist es bereits zu einer Infektion des Augeninneren gekommen, bestehen kaum noch Aussichten, das Auge zu erhalten. Nach Abheilung eines tiefen Geschwürs können weißliche Eintrübungen auf der Hornhaut zurückbleiben, die das Sehvermögen je nach Größe beeinträchtigen können.
Ein gutes Stallklima und frühzeitige Behandlung potentieller Augenerkrankungen sind die besten vorbeugenden Maßnahmen, um das Risiko eines Hornhautgeschwürs zu reduzieren. Kontrolliere den Stall und die Weide deines Pferdes auf mögliche Gefahrenquellen (spitze und scharfe Gegenstände) und entferne diese.
Beim Dummkoller, früher auch als Sterngucker-Krankheit bezeichnet, handelt es sich um eine unheilbare, für das Pferd charakteristische Gehirnerkrankung, die jedoch heute zum Glück kaum noch zu beobachten ist. Diese das Bewusstsein stark beeinträchtigende Krankheit gehörte bis 2002 zu den Hauptgewährsmängeln, weswegen ein Pferd binnen 14 Tagen nach dem Kauf zurückgegeben werden konnte.
Die gängigen Haltungsformen für Pferde sind die klassische Boxenhaltung, die Haltung im Laufstall (Aktivstall), in Paddock-Trails, die saisonale Weidehaltung und die Offenstallhaltung. Eines sollte jedem Pferdebesitzer klar sein. Pferde wollen laufen. In der Steppe sind sie manchmal bis zu 16 Stunden täglich unterwegs, um Nahrung und Wasser zu suchen. Grasend ziehen sie durchs Land. Nun sind unsere Pferde gezüchtet und domestiziert für unsere gemeinsame Zeit mit ihnen, sie sind keine Steppenponys mehr. Wir füttern sie, wir pflegen sie. Dennoch braucht das Pferd an sich Bewegung. Das sollen wir unbedingt bei der Wahl der Pferdehaltung im Kopf behalten. Das bedeutet auch, dass eine reine Boxenhaltung ohne einen ausreichend großen Paddock zur freien Bewegung nicht artgerecht ist. Außerdem muss immer für einen Kontakt unter Artgenossen gesorgt werden, denn Pferde sind Herdentiere.
Zweimal im Jahr haben unsere Pferde einen anstrengenden Job zu absolvieren: Beim Fellwechsel ist Höchstleistung gefragt, denn der Stoffwechsel läuft dabei auf Hochtouren. Manch altes oder krankes Pferd hat damit schon zu kämpfen. Du als Pferdebesitzer kannst deinem Pferd helfen, entspannter durch den Fellwechsel zu kommen.
Unter einer Sebadenitis versteht man eine fortschreitende entzündliche Veränderung der Talgdrüsen der Haut bei Hunden und Katzen, die letztendlich mit deren irreversibler Zerstörung einhergeht.
Die Hämatologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin und umfasst die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Blutes, Knochenmarks und Lymphsystems. Hämatologische Krankheitsbilder sind unter anderem Anämien Blutgerinnungsstörungen, Krebserkrankungen der blutbildenden Zellen oder des lymphatischen Systems sowie Autoimmunerkrankungen des Blutes.
Auch beim Tier werden viele beim Menschen schon lange übliche Augenoperationen durchgeführt. Hierfür gibt es inzwischen etliche Fachtierärzte für Augenheilkunde (=Ophthalmologen).
Ein Fohlen bei sich aufzunehmen und damit den ganz langen Weg zum Glück auf dem Rücken eines Pferdes zu wählen, ist ein richtiges Abenteuer! Es ist die Chance, eine Verbindung zu knüpfen, die über Jahre hinweg reifen kann und ein Fohlen zum Pferd heranwachsen zu sehen. Doch dafür ist auch Engagement von dir gefragt.
Träumt nicht jeder Reiter von einem unvergesslichen Ausritt auf seinem vierbeinigen Liebling? Ob über Stock und Stein, entlang der Küste oder einfach von Ort zu Ort. Das Gefühl, entspannt auf seinem Pferd zu sitzen und die Nase in den Wind zu halten, ist schon toll. Gemeinsam die Natur erkunden, vielleicht ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Reitgruppe oder mutig in einen See hineinreiten, um zu baden, all diese Bilder und Geschichten von traumhaften Reitausflügen glücklicher Pferd-Reiter-Paare hast bestimmt auch du gerade im Kopf. Wir alle wissen, dass es nicht immer nur strahlendes Glück auf vier Hufen gibt und der eine oder andere Reiter ganz schön ins Schwitzen gerät bei einem Ausritt durch unbekanntes Terrain. Doch wer ein wenig vorsorgt und ein paar Dinge beachtet, kann gute Voraussetzungen dafür schaffen, um begeistert und voller schöner Erinnerungen von einem Ausritt zurückzukehren.
Nahezu jedem von uns ist das Asthma beim Menschen bekannt. Aber auch unter unseren Pferden nehmen chronische Atemwegserkrankungen immer mehr zu. Über die vergangenen Jahre wurden verschiedene Bezeichnungen für einen ähnlichen Krankheitskomplex etabliert. Im englischsprachigen Raum wurde lange Zeit der Überbegriff „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“ (=COPD) geprägt, da man davon ausging, dass die Veränderungen nicht nur die Bronchien, sondern die gesamte Lunge betreffen. Im Deutschen sprach man meist von einer chronisch obstruktiven Bronchitis (COB). Auch wenn diese Begriffe heute noch oft verwendet werden, wird in der Tiermedizin bei Pferden nur noch zwischen der „RAO: Recurrent Airway Obstruction“ (=wiederkehrende Atemwegserkrankung) und der „IAO: Inflammatory Airway Disease“ (=entzündliche Atemwegserkrankung) unterschieden. Zentraler Bestandteil aller Begriffe ist immer die Obstruktion oder Verengung der kleinen Bronchien, die zu Atembeschwerden und Husten führt. Der Vorläufer dieser chronischen Erkrankungen ist meist eine akute Bronchitis.
Die auch als Graskrankheit bekannte rasch fortschreitende Muskelerkrankung ist erst seit Anfang des letzten Jahrhunderts bekannt und von Pferdebesitzern gefürchtet, da die meisten der betroffenen Pferde daran sterben und die Ursachen lange Zeit nicht geklärt waren. Betroffen sind vorrangig junge, wohlgenährte Pferde, die auf eher ungepflegten, nährstoffarmen Weiden stehen.
Herzerkrankungen kommen auch bei unseren Vierbeinern relativ häufig vor. Fast jeder zehnte Hund ist betroffen. Von einer Herzinsuffizienz oder Herzschwäche spricht man, wenn das Herz nicht mehr genügend Blut in den Kreislauf pumpen kann, so dass der Organismus nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
Unter Urolithiasis, umgangssprachlich als Harnsteinkrankheit bezeichnet, versteht man die Bildung und Ablagerung unterschiedlichster Konkremente im Harnwegssystem des Pferdes. Auch wenn diese Erkrankung beim Pferd eher sporadisch vorkommt, so kann sie doch zu schwerwiegenden Symptomen und erheblichen Beeinträchtigungen führen. Die Ablagerungen können in Form von Kristallen, Gries, Sand oder Steinen vorkommen und sind am häufigsten (ca. 60%) in der Harnblase zu finden. Wallache sind stärker betroffen als Hengste oder Stuten.