Prostata-Erkrankungen – worauf muss ich bei einem Rüden achten?

Die Prostata oder Vorsteherdrüse ist die wichtigste Geschlechtsdrüse des Rüden. Sie liegt hinter der Harnblase und umkleidet den Anfang der Harnröhre. Das von der Prostata gebildete Sekret ist Bestandteil des Spermas und wird zusammen mit den in den Hoden gebildeten Spermien als Ejakulat ausgeschieden. Erkrankungen der Prostata werden meist bei älteren, unkastrierten Rüden diagnostiziert. Dabei kann es zu unterschiedlichen Veränderungen der Drüse kommen.

INHALT
Gutartige Vergrößerung der Prostata Prostata-Entzündung Prostata-Abszess Prostata-Zysten Prostata-Tumore
Gutartige Vergrößerung der Prostata

Ursache

Die genaue Ursache dieser Vergrößerung ist noch nicht endgültig geklärt. Man geht davon aus, dass es mit fortgeschrittenem Alter des Hundes zu einem Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtshormonen kommt, infolgedessen sich die Prostata vergrößert.

Symptome

Auch wenn es sich hierbei um eine gutartige Veränderung handelt, kann es zu deutlichen Krankheitssymptomen kommen. Eine vergrößerte Prostata führt durch den Druck auf den Enddarm zu erschwertem Kotabsatz. In Folge der veränderten Durchblutung innerhalb der Prostata wird häufig ein unabhängig vom Urinabsatz auftretendes Blutträufeln aus dem Penis beobachtet. Im weiteren Verlauf können Fieber, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Unwohlsein, breitbeiniger Gang und Hinterhandschwäche hinzukommen.

Eine mögliche Komplikation der Erkrankung ist eine Abflussstörung der Harnblase. Diese entsteht durch den Druck der vergrößerten Prostata und zieht nicht selten eine Harnblasenentzündung nach sich, die ebenfalls behandelt werden muss.

Diagnose

Deinem/deiner Tierärzt:in stehen neben der allgemeinen Untersuchung und der Erfassung deines Vorberichts verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Im ersten Schritt kann er/sie die Prostata manuell über die rektale Untersuchung ertasten und somit Größe und Beschaffenheit der Drüse ermitteln.

Mit Hilfe einer weiterführenden Röntgenuntersuchung werden Größen- und Lageveränderungen der Prostata bestimmt. Im Ultraschallbild wiederum lässt sich die exakte Größe der Drüse ermitteln und darüber hinaus auch ihre innere Struktur darstellen.

In einigen Fällen ist die Entnahme einer Gewebeprobe zur Sicherung der genauen Diagnose notwendig. Dies kann entweder über eine Feinnadelaspiration (=Heraussaugen von Gewebe durch eine Hohlnadel) unter Ultraschallkontrolle erfolgen, für die meist keine Narkose erforderlich ist, oder in seltenen Fällen auch über eine operative Gewebeentnahme unter Vollnarkose.

Behandlung

Ziel der Behandlung ist die Reduktion des Einflusses von Testosteron auf die Prostata. Die dauerhaft wirksamste Behandlungsmethode ist daher die Kastration des erkrankten Rüdens. Durch den Wegfall von Testosteron kann in den ersten zwei Monaten nach der Operation bereits eine Größenabnahme von bis zu 70 Prozent festgestellt werden.

Eine hormonelle Behandlung zur Drosselung des Testosteron-Spiegels ist auch möglich, wird aber aufgrund der zeitlich begrenzten Wirksamkeit und des höheren finanziellen Aufwandes meist nur bei Zuchtrüden oder sehr alten Hunden eingesetzt.

Prognose

Bei einer Vergrößerung ohne Komplikationen und rechtzeitiger Kastration besteht eine günstige Prognose.

Prophylaxe

Da es bei fast alle nicht-kastrierten Rüden im Laufe ihres Lebens zu einer Prostata-Vergrößerung kommt, sollte die Prostata-Untersuchung zur jährlichen Routinekontrolle bei Rüden ab einem Alter von fünf Jahren immer dazu gehören.

Die sicherste Vorbeugung der Erkrankung ist die Kastration, wobei immer individuell abgewägt und mit deinem/deiner Tierärzt:in besprochen werden muss, ob ein ansonsten gesunder Rüde kastriert werden sollte.

Schema männlicher Geschlechtsapparat
1 Samenleiter | 2 Samenleiterampulle | 3 Prostata | 4 Nebenhoden | 5 Hoden
Prostata-Entzündung

Ursache

In den meisten Fällen wird die Infektion der Prostata durch aufsteigende Bakterien aus den Harnwegen verursacht. Unterschieden werden akute und chronische Entzündungen. 

Symptome

Bei der akuten Prostata-Entzündung zeigt der Hund ein hochgradig gestörtes Allgemeinbefinden mit hohem Fieber, Krämpfen, Verstopfung und blutig-eitrigem Ausfluss aus dem Penis. Betroffene Hunde haben oft sehr starke Schmerzen und mögen ungern am Bauch angefasst werden. Meist besteht parallel auch eine Blasenentzündung und der Hund zeigt sowohl Schwierigkeiten beim Kot- als auch beim Urinabsatz.

Die chronische Prostata-Entzündung geht mit deutlich geringer ausgeprägten Symptomen einher und wird daher oft erst spät erkannt. Infolge einer chronischen Entzündung kommt es eher zu einer Verhärtung und Verkleinerung der Prostata, so dass die typischen Symptome wie Schwierigkeiten beim Kotabsatz nicht auftreten. Der Rüde wird meist erst dann in der Tierarztpraxis vorgestellt, wenn eitriger Ausfluss am Penis auffällt.

Diagnose

Die Diagnose wird durch deine/n Tierärzt:in anhand der klinischen Symptome und mit Hilfe der Ultraschalluntersuchung gestellt. Zusätzliche Blut- und Urinuntersuchungen geben Aufschluss über die Art und den Schweregrad der Erkrankung.

Therapie

Akute Entzündungen sollten schnellstmöglich mit wirksamen Antibiotika behandelt werden. Selbst wenn parallel schon mit der Therapie begonnen wird, empfiehlt sich immer auch die Erstellung eines Antibiogramms, einem Labortest zur Bestimmung der Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber speziellen Antibiotika, damit eine gezielte Therapie eingeleitet werden kann. Die Behandlung sollte sich auf mindestens vier Wochen erstrecken, um zu verhindern, dass sich eine chronische Entzündung oder ein Abszess entwickelt. Nach der ersten Woche empfiehlt es sich, den Status der Behandlung mittels Ultraschall- und Laboruntersuchungen zu überprüfen.

Im Falle einer chronischen Prostata-Entzündung ist die chirurgische Kastration in Kombination mit einer antibiotischen Behandlung die sicherste und erfolgversprechendste Maßnahme.

Prognose 

Die Aussichten auf eine Heilung hängen von der Wirksamkeit des Antibiotikums und dem Verlauf der Erkrankung ab und können daher günstig bis zweifelhaft sein.

Prostata-Abszess

Ursache, Entstehung und Symptome

Eine nicht oder unzureichend behandelte akute Entzündung der Prostata kann im weiteren Verlauf in einen Abszess (=Ansammlung von Eiter in einem Hohlraum) übergehen. Prostataabszesse können zu hohem Fieber führen, im schlimmsten Fall aufbrechen und damit eine lebensbedrohliche Peritonitis (=Bauchfellentzündung) nach sich ziehen.

Behandlung und Prognose

Prostataabszesse müssen in der Regel chirurgisch entfernt werden, wobei die Nachsorge oft schwierig ist und nicht selten Komplikationen auftreten. Die Prognose ist daher eher vorsichtig, bei bereits durchgebrochenen Abszessen sogar sehr ungünstig.

Prostata-Zysten

Ursache und Entstehung

Es werden intraprostatische (=innerhalb des Drüsengewebes liegende) und extraprostatische (=außerhalb des Drüsengewebes liegende) Zysten unterschieden. Es handelt sich dabei um flüssigkeitsgefüllte Kapseln, die im Zuge einer Prostata-Vergrößerung durch Abflussstörungen einer oder mehrerer Ausführgänge entstehen. Sie führen erst ab einer gewissen Größe oder bei Infektionen zu deutlichen Symptomen. Kleinere Zysten werden oft zufällig während einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Sehr große Zysten können umliegende Organe verdrängen und zu Störungen des Kot- und Urinabsatzes führen.

Diagnose

Die Diagnose ist für deine/n Tierärzt:in nicht immer ganz einfach, da Zysten sowohl bei der rektalen Untersuchung als auch im Röntgen- und im Ultraschallbild schwer von Abszessen zu unterscheiden sind. Eine entsprechende klinische Symptomatik und weiterführende Laboruntersuchungen können die Diagnose jedoch festigen.

Therapie und Prognose

Größere, flüssigkeitsgefüllte Zysten müssen chirurgisch entfernt werden. Zeitgleich muss der Rüde kastriert werden. Kleinere Zysten verschwinden meist spontan nach der Kastration. Die Heilungsaussichten sind günstig.

Prostata-Tumore

Bösartige Tumore der Prostata treten bei Hunden selten auf. Zu 90 Prozent handelt es sich dabei um Adenokarzinome, die aus den Zellen des Drüsengewebes hervorgehen. Betroffen sind vor allem ältere, kastrierte Rüden großwüchsiger Rassen ab einem Alter von zehn Jahren. Die Tumore haben eine hohe Tendenz zur Metastasierung (=Bildung von Tochtergeschwülsten) und in bis zu 80 Prozent aller Fälle hat der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits in umliegende Organe und Lymphknoten gestreut.

Symptome

Betroffene Rüden zeigen deutliche Probleme beim Urinabsatz und Harnträufeln. Zusätzlich treten häufig Abmagerung, Appetitlosigkeit, Bewegungsunlust und Schmerzhaftigkeit auf.

Diagnose

Wie bei allen anderen Veränderungen der Prostata wird auch hier eine allgemeine und eine darauffolgend eine spezielle rektale Untersuchung durchgeführt. Ein wichtiges Merkmal einer tumorösen Veränderung ist die deutliche Schmerzhaftigkeit der Prostata bei Berührung. Da dieses Merkmal jedoch nicht eindeutig beweisend ist, sollten immer auch Röntgen-, Ultraschall- und Laboruntersuchungen durchgeführt werden.

Therapie und Prognose

Falls noch keine Metastasierung stattgefunden hat, kann die Behandlung mit einer Kastration versucht werden. Wegen der hohen Wahrscheinlichkeit der Metastasierung besteht jedoch generell eine ungünstige Prognose. In den meisten Fällen ist die Euthanasie (siehe entsprechender Artikel) unumgänglich.