Distichiasis und Ektopische Zilien – was ist das?

Das Wort Distichiasis stammt aus dem Griechischen und bedeutet in etwa „zwei Reihen“. Bei dieser Erkrankung wächst eine zusätzliche Reihe wimpernartiger Haare, medizinisch Distichien genannt, aus den Talgdrüsenöffnungen des Lidrandes heraus. Da diese fehlgestellten, harten Haare in Richtung Augapfel wachsen, führen sie zu einer permanenten Reizung und Schädigung der Hornhaut. Eine weitere Form der Distichiasis sind ektopischen Zilien. Es handelt sich hierbei um versprengte Haaranlagen, die als einzelne borstige Haare oder als ein ganzes Haarbüschel innen aus dem Lid herauswachsen. Damit stehen sie senkrecht zur Hornhaut und reizen so dauerhaft das Auge. Ektopischen Zilien findet man beim Hund meistens am Oberlid. Bei der Katze kommen sie selten vor.

INHALT
Ursache und Entstehung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Ursache und Entstehung

Die genauen Ursachen der Distichiasis sind noch nicht vollständig geklärt. Bei einigen Hunden treten Distichien als eine angeborene Fehlbildung auf. Es kommt jedoch auch vor, dass sich die zusätzlichen Wimpern erst mit zunehmendem Alter des Hundes entwickeln. Es können Ober- oder Unterlid oder auch beide Lider betroffen sein.

Aufgrund des gehäuften Auftretens der Erkrankung bei bestimmten Rassen geht man von einer gewissen Erblichkeit der Erkrankung aus. Prädisponiert für Distichiasis und ektopische Zilien sind unter anderem Cocker Spaniel, Cavalier King Charles Spaniel, Flat Coated Retriever, Tibet Terrier, Dackel, Pudel, Sheltie und Jack Russel Terrier.

Symptome

Die ersten wahrnehmbaren Symptome sind vermehrtes Blinzeln oder Zukneifen der Augenlider. Die betroffenen Tiere zeigen je nach Art, Ausmaß und Wuchsrichtung der Distichien mehr oder weniger starke chronische Reizungen von Binde- und Hornhaut. Diese äußern sich in Form von Bindehautrötungen, vermehrtem Tränenfluss und Hornhauttrübung. Unbehandelt können sich aus den anfänglichen Reizungen schmerzhafte Hornhautschäden entwickeln.

Solltest du bei deinem Tier eines oder mehrere der oben genannten Symptome bemerken oder bereits über einen längeren Zeitraum bemerkt haben, stelle es zeitnah bei deinem/deiner Tierärzt:in vor, um mögliche Folgeschäden zu vermeiden.

Diagnose

Nach einer allgemeinen klinischen Untersuchung und der Erhebung deines ausführlichen Vorberichts zu den beobachteten Symptomen kann dein/e Tierärzt:in meistens schon eine Verdachtsdiagnose stellen. Einige der zusätzlichen Härchen können bereits mit bloßem Auge erkannt werden. Besonders feine oder auf der Innenseite des Lids wachsende Haare können jedoch nur mit einer speziellen, vergrößernden Lampe, der sogenannten Spaltlampe, zuverlässig diagnostiziert werden.

Augen eins Hundes mit Distichiasis
Die überzähligen Wimpern reizen die Hornhaut (Bild: © TÄ Ariane von Lücken)
Behandlung

Die Art der Behandlung ist abhängig vom Ausmaß und dem Schweregrad der Erkrankung. Nicht störende Distichien können ohne Behandlung am Auge belassen werden. Es ist aber zu beachten, dass auch diese Haare ausfallen und neu nachwachsen und dann gelegentlich ihre Wuchsrichtung ändern.

Wird das Auge jedoch dauerhaft durch die überzähligen Wimpern gereizt, müssen diese entfernt werden. Das manuelle Zupfen mit einer Wimpernpinzette führt nur zu einer kurzfristigen Besserung, da die Haare nachwachsen. Um auch die Haarfollikel zu entfernen, ist ein operatives Vorgehen unter Vollnarkose notwendig. Je nach Art und Ausmaß der Distichiasis können unterschiedliche Operationsverfahren angewandt werden.

Die schnellste und effektivste Methode ist die elektrolytische Epilation des Haares mit Verödung der Haarwurzel, die in vielen Fällen erfolgreich angewandt wird. Die Haarfollikel können auch mittels Vereisung oder Laser zerstört werden. In sehr schwerwiegenden Fällen wird das sogenannte Lidsplitting angewandt. Dabei wird eine gesamte Distichien-Reihe mitsamt Haarbälgen und Haarwurzeln herausgeschnitten. Die Gefahr dieser Operationsmethode ist eine stärkere postoperative Lidschwellung und Narbenbildung. Positiv hervorzuheben ist jedoch die deutlich geringere Gefahr von Rezidiven (=Rückfällen).

Prognose

Die Heilungsaussichten der Distichiasis sind nach erfolgreicher Operation als günstig einzustufen. Zu beachten ist allerdings, dass es je nach Operationsmethode relativ häufig zu Rückfällen, das heißt einem Nachwachsen der Haare, kommt. So sind zum Teil mehrere Sitzungen notwendig.

Prophylaxe

Da die Erkrankung häufig angeboren ist, ist eine Prophylaxe schwer möglich. Aufgrund der Erblichkeit bei einigen Rassen kann die Erkrankungshäufigkeit mit züchterischen Maßnahmen jedoch deutlich reduziert werden. Einige Zuchtvereine prädisponierter Rassen haben hierzu bereits verpflichtende Zuchtzulassungsuntersuchungen eingeführt.