Blutgruppen, Bluttransfusion und Blutspende

Bei größeren Blutverlusten durch Unfall oder Operationen, Gerinnungsstörungen sowie bei verschiedenen Erkrankungen sind auch Tiere auf Bluttransfusionen angewiesen. Hierfür wird Spendertieren Blut entnommen. Wie beim Menschen gibt es auch bei Tieren verschiedene Blutgruppen, die beachtet werden müssen.

INHALT
Die verschiedenen Blutgruppen Ablauf einer Bluttransfusion Blutspende - Voraussetzungen und Ablauf Blutkomponenten-Therapie
Die verschiedenen Blutgruppen

Blutgruppen werden anhand bestimmter Oberflächenstrukturen auf den roten Blutkörperchen, den sogenannten Antigenen, eingeteilt.

Katze

Katzen haben, ähnlich wie der Mensch, die Blutgruppe A, B oder C (=AB). Die Blutgruppenverteilung hängt stark von der Rasse ab. Europäisch Kurzhaar Katzen haben meist Blutgruppe A, während andere Rassen wie Britisch Kurzhaar häufiger Blutgruppe B haben. Katzen haben von Geburt an Antikörper gegen andere als die eigenen Blutgruppen-Antigene. Deshalb muss die Blutgruppe schon ab der ersten Bluttransfusion dringend beachtet werden. Ansonsten kann es zu schweren Unverträglichkeitsreaktionen kommen.

Hund

Beim Hund gibt es insgesamt zwölf Blutgruppen. Es wird jedoch nur auf die Blutgruppen DEA (Dog Erythrocyte Antigen) 1.1 positiv und DEA 1.1 negativ getestet, da es bei diesem Antigen häufig zu Bluttransfusionsreaktionen kommt. DEA 1.1 negative Hunde gelten als „Universalspender“, weil ihr Blut bei den meisten Hunden, unabhängig von deren Blutgruppe, keine Unverträglichkeitsreaktionen hervorruft. Es wird deshalb speziell in zeitkritischen Notfällen eingesetzt.

Pferd

Insgesamt sind beim Pferd sieben Blutgruppen bekannt (A, C, D, K, P, Q und U). Diese tragen noch unterschiedliche Zellmembran-Eiweiße (=Faktoren: a-i, r-k). Unverträglichkeiten von Spender- und Empfängerblut sind trotz der 34 vorkommenden Kombinationen von Blutgruppe und Faktor beim Pferd seltener als bei anderen Tieren oder dem Menschen.

Die erste Bluttransfusion ist bei Hunden und Pferden meist unproblematisch, da sie, solange sie keinen Kontakt zu Fremdblut hatten, noch keine Antikörper gegen andere Blutgruppen-Antigene besitzen. Eine Ausnahme sind Stuten, die ein Fohlen mit sogenannter neonataler Isoerythrolyse (=Zerstörung der roten Blutkörperchen des Fohlens durch Antikörper der Stute) hatten. Wenn möglich sollte jedoch auch bei Hunden und Pferden schon bei der ersten Bluttransfusion ein Verträglichkeits-Test zwischen Spender- und Empfängerblut durchgeführt werden.

Ablauf einer Bluttransfusion

Beim Empfängertier wird eine kleine Hautstelle rasiert und desinfiziert. Das Spenderblut wird auf Körpertemperatur angewärmt und dann über einen speziellen Infusionsschlauch mit integriertem Blutfilter in die große Halsvene verabreicht.

In welcher Geschwindigkeit die Transfusion gegeben wird, hängt vom Hydratationszustand, dem Schweregrad der Anämie sowie dem Allgemeinzustand des Empfängertieres ab. Bei einem kritischen Mangel an zirkulierendem Blut- oder Flüssigkeitsvolumen wird sie erhöht. Bei Tieren mit Herzerkrankungen oder Niereninsuffizienz ist eine langsamere Transfusionsgeschwindigkeit erforderlich. Die ersten Milliliter werden sehr langsam über 15 Minuten gegeben. Die Transfusion läuft dann über bis zu vier Stunden. Das Tier wird dabei kontinuierlich überwacht. Die Herz- und Atemfrequenz wird bis einige Stunden Stunden nach der Transfusion regelmäßig überprüft.

Risiken einer Bluttransfusion

Transfusionsreaktionen kommen bei circa zwei Prozent aller Bluttransfusionen vor. Sie sind also selten und häufig harmlos. Folgende Reaktionen können jedoch bei und nach einer Bluttransfusion auftreten:

  • Fieber kommt am häufigsten vor. Es kann innerhalb der ersten vier Stunden auftreten, verschwindet wieder von allein und bedarf keiner Behandlung.
  • Erbrechen kann bei einer zu schnellen Transfusion oder bei Fütterung vor oder während der Transfusion vorkommen.
  • Untertemperatur kann bei ungenügender Aufwärmung von vorher gekühlt gelagertem Spenderblut auftreten.
  • Atemnot und Herzinsuffizienz können durch Volumenüberladung, die den Kreislauf überlastet, während und bis zu 24 Stunden nach der Transfusion auftreten. Die Transfusion wird dann sofort abgebrochen. Weiterhin werden Medikamente zur Entwässerung gegeben.
  • Eine akute allergische Reaktion kann während oder in den ersten Stunden nach der Transfusion auftreten. Es kommen Hautreaktionen oder Magen-Darm-Störungen, aber auch Atemnot sowie allergischer Schock vor. Die Transfusion wird dann sofort abgebrochen. Weiterhin werden antiallergische Medikamente verabreicht und gegebenenfalls Maßnahmen eingeleitet, die den Kreislauf unterstützen.
  • Tritt Hämolyse (=Zerstörung der roten Blutkörperchen) ein, geht diese mit Fieber, erhöhter Herzfrequenz, Atemnot bis hin zum Schockzustand und einer Verklumpung des Bluts in den Blutgefäßen einher. Die Transfusion wird dann sofort abgebrochen und lebensrettende Maßnahmen werden eingeleitet.
  • Kommt es zur Infektion durch eine erregerhaltige Blutspende, wird diese je nach Erreger behandelt.

Blutspende - Voraussetzungen und Ablauf

Da es aufwändig ist, größere Mengen Blut korrekt zu lagern, wird meist frisch entnommenes Blut von Spendertieren genutzt. Generell können Blutkonserven bei vier Grad mit fortlaufender Temperaturüberwachung bis zu 35 Tage aufbewahrt werden. Viele Tierarztpraxen führen eine Liste potenzieller Blutspender-Tiere. Da es sich häufig um Notfälle handelt, sind hier Besitzer:innen gefragt, die flexibel und schnell mit ihren Spendertieren in die Praxis kommen können.

Spendertiere müssen außerdem folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Ausgewachsen, bis mittleren Alters: Hunde und Katzen über ein Jahr alt, Pferde mindestens drei bis vier Jahre alt
  • Mindestgewicht Hund 20 Kilogramm, Katze vier Kilogramm
  • Gesund (keine Medikamentengaben) und ruhiges Gemüt
  • Kein Aufenthalt im südlichen Ausland
  • Regelmäßig geimpft, entwurmt und beim Kleintier Parasitenprophylaxe
  • Noch nie eine Bluttransfusion bekommen

Nach einer allgemeinen Untersuchung und Blutuntersuchung des Spendertieres wird überprüft, ob Spender- und Empfängerblut miteinander verträglich sind. Ist dies der Fall, wird für die Blutspende eine kleine Hautstelle am Hals rasiert und desinfiziert. Anschließend wird Blut aus der großen Halsvene in einem Blutspendenbeutel oder bei Katzen in einer großen Spritze aufgefangen. Die Blutspende dauert nur 15 Minuten, beim Pferd aufgrund der Blutmenge länger. Das Spendertier muss währenddessen ruhig halten. Hierzu ist bei Katzen sowie auch bei manchen Hunden eine Beruhigungsspritze nötig. Es werden je nach Größe des Empfängertieres entnommen:

  • bei Hunden und Katzen: zehn Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht
  • bei Pferden: drei bis sechs Liter

Die Entnahme dieser Mengen belastet die Spendertiere kaum. Das entnommene Blut wird innerhalb kurzer Zeit vom Körper ersetzt. Größere Anstrengungen solltest du jedoch für dein Tier bis zu 24 Stunden nach der Blutspende vermeiden. Hunde tragen für ein paar Tage lieber ein Brustgeschirr anstelle eines Halsbandes. Die nächste Blutspende darf frühestens nach drei Monaten erfolgen.

Blutkomponenten-Therapie

Häufig wird das beim Spendertier entnommene Blut direkt nach der Abnahme durch Zentrifugieren in seine Komponenten aufgetrennt. Dies ermöglicht es, dem Empfängertier nur die ihm fehlende Komponente zu transfundieren. So wird eine Volumenüberladung vermieden und andere Komponenten können für weitere Tiere genutzt werden.

Vollblut oder Erythrozyten (=rote Blutkörperchen) -Konzentrat werden für Notfälle mit akuten Blutverlusten und bei Anämien (=Mangel an roten Blutkörperchen) genutzt, Vollblut auch bei hochgradiger Thrombozytopenie (=Mangel an Blutplättchen). Bei anderen Blutgerinnungsstörungen (siehe entsprechender Artikel) sowie Hypoproteinämie (=Eiweißverlust über Niere oder Darm) kommt Blutplasma zum Einsatz.