Zoonosen – Zwischen Tieren und Menschen übertragen

Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die auf natürlichem Weg vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Sie stellen ein Gesundheitsrisiko insbesondere für Kinder, ältere und immungeschwächte Menschen dar. Zoonosen können jedoch nicht nur vom Tier auf den Menschen übertragen werden, sondern auch umgekehrt, von Menschen auf Tiere.

INHALT
Übertragungswege Erreger von Zoonosen Prophylaxe Staatliche Zoonose-Überwachung
Übertragungswege

Neben der direkten Übertragung von Erregern von einem Lebewesen zum anderen gibt es indirekte Übertragungswege: Dabei erfolgt die Infektion häufig über Lebensmittel oder durch sogenannte Vektoren (=Organismen, die Krankheitserreger übertragen), meist Stechmücken oder Zecken. Diese nehmen den Erreger bei einer Blutmahlzeit von einem infizierten Tier oder Menschen auf und übertragen ihn bei der nächsten Blutmahlzeit auf das nächste Lebewesen.

Erreger von Zoonosen

Die Liste der Zoonosen ist lang. Als ursächliche Erreger kommen Bakterien, Viren, Parasiten, Pilze oder auch Prionen vor. Im Folgenden findest du die meisten in Mitteleuropa vorkommenden Zoonose-Erreger:

Übertragung durch Tierkontakt

Die Übertragung kann durch direkten Tierkontakt, aber auch indirekt über Kot, Urin, Speichel und andere Körpersekrete stattfinden.

Bakterien

  • Infektionen mit Bordetellen und Chlamydien sind Teil des Katzenschnupfenkomplexes (siehe Artikel Katzenschnupfen).
  • Rotz (siehe entsprechender Artikel)
  • Milzbrand (siehe entsprechender Artikel)

Viren

  • Tollwut (siehe entsprechender Artikel)
  • Leptospirose (siehe entsprechender Artikel)
  • Bornasche Krankheit (siehe entsprechender Artikel)
  • Hantavirus-Erkrankung: Dieser wird über das Einatmen von Staub aus Kot, Urin und Speichel infizierter Nagetiere, vor allem der Rötelmaus, übertragen. Hund, Katze und Pferd erkranken nicht, können das Virus aber über Fellkontakt auf den Menschen übertragen. Die Symptome ähneln einem grippalen Infekt. Es kommen jedoch auch schwere Fälle mit Nierenversagen vor.
  • Vogelgrippe: Menschen und Tiere können sich über Kontakt mit erkrankten Vögeln anstecken. Es kommen milde Verläufe, aber auch schwere Verläufe mit Grippe- und Atemwegssymptomen vor.
  • Schweinegrippe: Menschen und Tiere können sich über Kontakt mit erkrankten Schweinen anstecken. Meist erfolgt die Infektion bei Hunden und Katzen jedoch durch infizierte Menschen. Die Erkrankung äußert sich durch akute Grippe- und Atemwegssymptome.

Parasiten

  • Flohbefall (siehe entsprechender Artikel)
  • Milbenbefall (siehe entsprechender Artikel)
  • Toxoplasmose (siehe entsprechender Artikel)
  • Giardiose (siehe entsprechender Artikel)
  • Echinokokkose: Der Mensch kann sich über direkten Fellkontakt, Schmierinfektion oder kontaminierte Erde mit dem Kleinen Hundebandwurm sowie dem Fuchsbandwurm infizieren. Die Larven des Hundebandwurms bilden Zysten in Leber und Lunge. Die Larven des Fuchsbandwurms wachsen in Leber, Lunge und auch Gehirn (siehe Artikel Meningoenzephalitis) tumorähnlich und stetig weiter. Spät erkannt, können dadurch erhebliche Schäden in den Organen entstehen.
  • Toxocarose: Der Mensch kann sich über direkten Fellkontakt, Schmierinfektion oder kontaminierte Erde mit Spulwurmeiern von Hunden und Katzen infizieren. Im Darm des Menschen können sich die Würmer nicht entwickeln. Die Larven dringen jedoch in Leber, Lunge, Herz, Gehirn sowie Augen vor und können dort erhebliche Schäden anrichten.  
  • Kryptosporidiose: Diese kommen hauptsächlich bei Nutztieren wie Rindern, Schafen und Ziegen vor und verursachen Durchfälle bei Jungtieren. Die einzelligen Darmparasiten werden über kontaminiertes Wasser oder als Schmierinfektion übertragen und führen bei anderen Tieren sowie dem Menschen zu hartnäckigen, wässrigen Durchfallerkrankungen.

Pilze

  • Hautpilz-Erkrankungen (siehe entsprechende Artikel für Hund, Katze, Pferd und Chinchilla)

Übertragung durch Lebensmittel

Lebensmittelbedingte Zoonosen kommen beim Menschen am häufigsten vor. Mit Ausnahme von Prionen verursachen sie plötzliche Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen und Erbrechen sowie Fieber und Gliederschmerzen.

Bakterien

  • Listeriose: über Rohmilch, rohes Fleisch und Gemüse (siehe Artikel Meningoenzephalitis)
  • Salmonellose: häufig über rohe Eier oder Geflügelfleisch
  • Campylobacteriose: häufig über Geflügelfleisch
  • EHEC (=Enterohämorrhagische Escherichia coli): über Rohmilch oder Rindfleisch

Parasiten

  • Trichinellose: über rohes Fleisch vom Schwein, Wildschwein oder anderen Wildtieren (siehe Artikel Meningoenzephalitis)

Prionen

  • BSE (=Bovine Spongiforme Enzephalopathie): Infiziertes Rindfleisch kann beim Menschen zur varianten Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) und bei der Katze zu FSE (Feline Spongiforme Enzephalopathie, siehe Artikel Meningoenzephalitis) führen.

Übertragung über Vektoren

Zu den wichtigsten Vektoren zählen verschiedene Stechmücken- und Zeckenarten.

Bakterien

  • Borreliose (siehe entsprechende Artikel für Hund und Pferd), Hauptüberträger ist die Zeckenart Gemeiner Holzbock (Ixodes rizinus)

Viren

  • FSME (siehe entsprechender Artikel), Hauptüberträger ist die Zeckenart Gemeiner Holzbock (Ixodes rizinus)
  • Leishmaniose (siehe entsprechender Artikel), Hauptüberträger in Europa sind Sandmücken der Gattung Phlebotomus
  • West-Nil-Fieber (siehe entsprechender Artikel), Hauptüberträger sind Stechmücken der Gattung Culex

Prophylaxe

Der Schutz vor Zoonosen besteht primär aus einer guten Lebensmittelhygiene, verschiedenen Schutzimpfungen, Zecken- und Mückenschutz sowie der regelmäßigen Entwurmung deiner Tiere.

Wasche deine Hände nach Tierkontakt oder Arbeiten im Garten sowie insbesondere vor dem Essen gründlich mit Seife. Wasche pflanzliche Lebensmittel vor dem Verzehr sorgfältig. Insbesondere Schwangere, Kleinkinder, immungeschwächte oder ältere Personen sollten auf den Verzehr von rohen Lebensmitteln verzichten. Auch beim Tier ist rohes Fleisch sowie ungewaschenes Gemüse eine Ansteckungsquelle. Dies ist insbesondere beim BARFEN (siehe entsprechender Artikel) zu beachten.

Lasse deinen Hund regelmäßig nach den Empfehlungen der StiKo Vet (=Ständige Impfkommission Veterinärmedizin) gegen Tollwut und Leptospirose und deine Katze gegen Katzenschnupfen impfen. Gegen einige virale Infektionskrankheiten gibt es auch für den Menschen Schutzimpfungen, wie beispielsweise gegen FSME und Tollwut.

Bei Hunden und Katzen ist zum Schutz vor zeckenübertragenen Erregern wie FSME oder Borreliose eine ganzjährige Zecken-Prophylaxe anzuraten, die auch gegen Flöhe, Milben und Sandmücken schützt. Wichtig ist zusätzlich das tägliche Absuchen des Fells und das schnelle Entfernen von Zecken.

Trage in Mückengebieten lange, weite Kleidung, benutze Insektenschutzmittel und meide die mückenaktive Dämmerung, auch für Hundespaziergänge.

Die regelmäßige Entwurmung deines Hundes und deiner Katze schützt dein Tier, aber auch dich. Dein/e Tierärzt:in berät dich hierzu gerne.

Staatliche Zoonose-Überwachung

Das Auftreten von Zoonose-Erregern in Lebensmitteln, Futtermitteln und lebenden Tieren wird in allen Ländern der Europäischen Union im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen Zoonose-Monitorings erfasst und ausgewertet. In Deutschland werden die Berichte zum Zoonose-Monitoring auf der Homepage des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (https://www.bvl.bund.de) veröffentlicht. Im interaktiven Onlineportal ZooNotify (https://zoonotify.bfr.berlin) vom Bundesinstitut für Risikobewertung findest du ebenso Ergebnisdaten zum Zoonose-Monitoring.

Für verschiedene Erkrankungen besteht deshalb eine Meldepflicht beim Gesundheitsamt (Mensch) beziehungsweise beim Veterinäramt (Tier). Die Meldung macht dein/e Ärzt:in beziehungsweise Tierärzt:in.