Präputialkatarrh und Balanoposthitis – was ist hier entzündet?

Vielen Hundebesitzer:innen wird diese umgangssprachlich auch als Vorhautentzündung bezeichnete Erkrankung bekannt sein. Besonders bei jungen, unkastrierten Rüden ist der immer wiederkehrende, gelblich-grüne, tropfende Ausfluss sehr häufig zu beobachten.

INHALT
Ursache und Entstehung Symptome Diagnose Behandlung Prognose Prophylaxe
Ursache und Entstehung

Genaugenommen muss medizinisch zwischen dem nicht entzündlichen Präputialkatarrh (=Vorhautausfluss) und der echten Balanoposthitis (=Vorhaut- und Eichelentzündung) unterschieden werden. Der Präputialkatarrh entsteht durch eine nicht entzündliche Überreaktion der Drüsen an der Penisbasis, wodurch sich vermehrt Smegma in der Vorhaut sammelt. Dies tropft dann als gelblich-weißer Ausfluss aus der Vorhaut des Rüden ab.

Mit Beginn der Geschlechtsreife im Alter von sechs bis zwölf Monaten beginnen Rüden ihren Penis regelmäßig auszuschachten. Auf diese Weise gelangen Schmutz und Bakterien aus der Umgebung in den Zwischenraum zwischen Penis und Vorhaut. Dank des feuchtwarmen, sauerstoffarmen Milieus können sich die Bakterien hier explosionsartig vermehren. Kleine Verletzungen, Fremdkörper oder ständiges Belecken können die Entwicklung einer Balanoposthitis begünstigen. Auch eine Phimose (=Vorhautverengung) kann zu entzündlichen Veränderungen führen.

Symptome

Sowohl bei der Balanoposthistis als auch beim Präputialkatarrh ist ein gelblich-grüner tröpfelnder Ausfluss aus dem Penis zu beobachten, der unabhängig vom Urinabsatz auftritt. Die Haare um den Penis herum sind oft durch das austretende Sekret verklebt.

Handelt es sich lediglich um einen Präputialkatarrh, ist das Allgemeinbefinden der Hunde meist nicht gestört. Für die Besitzer:innen ist das hygienische Problem häufig viel störender, da sich die klebrigen Tropfen im ganzen Haus verteilen.

Eine Balanoposthitis geht mit deutlichen Entzündungssymptomen einher. Die Vorhaut ist meist stark geschwollen, gerötet und schmerzhaft. Der aus der Vorhaut abtropfende Ausfluss kann gelblich-grünlich, eitrig bis blutig und übelriechend sein. Komplikationen können durch ständiges Belecken entstehen, da sich die Entzündung dadurch bis hin zur Nekrose (=Absterben von Gewebe) verschlimmern kann. Die bereits erwähnte Phimose kann nicht nur Ursache sondern auch Folge einer Vorhautentzündung sein.

Penis eines Hundes mit gelblich-grünem Ausfluss
Typisch gelblich-grüner Ausfluss aus dem Penis
Diagnose

Deinem/deiner Tierärzt:in ergibt sich aus dem klinischen Bild und deinem Vorbericht meist schon eine klare Diagnose. Bei starker Schwellung der Vorhaut kann ein Vorverlagern des Penis zum Teil nicht mehr möglich sein. In einem solchen Fall kann dein/e Tierärzt:in die nicht einsehbaren Bereiche endoskopisch untersuchen. Bei einer Balanoposthistis ist immer auch eine bakteriologische Untersuchung sinnvoll, um genaue Informationen über die Art des Erregers zu erhalten.

Behandlung

Bei einem Präputialkatarrh reichen meist mehrfache desinfizierende Spülungen der Vorhaut aus. Eine antibiotische Therapie ist nicht notwendig.

Eine Balanoposthitis ist entsprechend ihrer Ursache zu behandeln. Bei Vorhandensein von Fremdkörpern, Steinen oder Harngrieß müssen diese im ersten Schritt entfernt werden. Nach bakteriologischer Untersuchung und Antibiogramm (=Labortest zur Bestimmung der Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber verschiedenen Antibiotika) wird mit speziellen desinfizierenden Spülungen und antibiotischen Salben lokal behandelt. Außerdem muss verhindert werden, dass dein Hund sich weiterhin beleckt, da die Entzündung sonst nicht abheilen kann.

In schweren Fällen müssen zusätzlich Antibiotika verabreicht werden. Ist es bereits zu nekrotischen Veränderungen am Penis gekommen, ist nur eine chirurgische Therapie mit Amputation des Penis erfolgversprechend und lebenserhaltend.

Prognose

Die Aussichten auf eine komplette Heilung sind im Falle des einfachen Präputialkatarrhs günstig, auch wenn häufig Rückfälle auftreten. Im Fall der Balanoposthitis ist die Prognose ebenfalls günstig, solange keine Komplikationen auftreten.

Prophylaxe

Die einzige wirksame Prophylaxe ist die chirurgische oder chemische (=Einlegen eines Hormonchips, siehe entsprechender Artikel) Kastration des Rüden. Ein bereits bestehender Präputialkatarrh verschwindet innerhalb von zwei Wochen nach der Kastration, gilt jedoch nicht als medizinische Indikation für die Kastration eines ansonsten gesunden Rüden. Dein/e Tierärzt:in berät dich hinsichtlich dieser Entscheidung gerne. Über petsXL kannst du direkt einen Termin vereinbaren.