Anämie – warum ist mein Hund so schlapp?

Wie der Name schon sagt, fehlt deinem Hund bei einer Anämie Blut, genauer genommen sind die Anzahl der Erythrozyten (=rote Blutkörperchen) und das Hämoglobin (=der Blutfarbstoff) verringert. Eine Anämie ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das bei vielen verschiedenen Krankheitsprozessen auftreten kann.

INHALT
Ursachen, Entstehung und Einteilung Symptome Diagnose Behandlung Prognose
Ursachen, Entstehung und Einteilung

Das in den roten Blutkörperchen vorhandene Eiweiß Hämoglobin dient dem Transport von Sauerstoff im Körper. Ist die Hämoglobin-Konzentration im Blut erniedrigt, sinkt die Sauerstoff-Transportfähigkeit des Blutes. Darauf reagiert der Organismus mit einer Beschleunigung der Herzfrequenz, um nach wie vor genügend Sauerstoff in die Organe zu transportieren.

Im gesunden Organismus herrscht ein Gleichgewicht zwischen Neubildung, Verbrauch und Abbau der roten Blutkörperchen. Eine Störung dieses Gleichgewichts führt zu einer Anämie.

Bezogen auf die Art der Entstehung lassen sich daher verschiedene Ursachen einer Anämie unterscheiden:

  • Blutungsanämie durch Blutverlust, beispielsweise bei Verletzungen, blutenden Tumoren, Gefäßwandschädigungen oder Gerinnungsstörungen
  • Störung der Blutbildung, beispielsweise bei Knochenmarksinsuffizienz, Eisenmangel, Schilddrüsenunterfunktion, Tumoren, chronischen Krankheiten oder Autoimmunerkrankungen
  • Hämolytische Anämie durch übermäßiger Abbau der roten Blutkörperchen, beispielsweise durch Blutparasiten, Chemikalien, Giftstoffe, Tumore oder Autoimmunerkrankungen
  • Multifaktoriell bedingte Anämie als Kombination mehrerer Ursachen

In Bezug auf die Reparationsfähigkeit des Körpers unterscheidet man regenerative von nicht-regenerativen Anämien. Von einer regenerativen Anämie spricht man, wenn Blutverluste, ein erhöhter Erythrozyten-Abbau oder eine Erythrozyten-Zerstörung durch eine gesteigerte Produktion im Knochenmark wieder ausgeglichen werden können. Ist das Knochenmark selbst geschädigt und dadurch nicht mehr in der Lage, genügend neue Erythrozyten zu bilden und auszuschütten, handelt es sich um eine nicht-regenerative Anämie. Auch Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen oder ein Eisenmangel können dazu führen, dass nicht mehr genügend rote Blutkörperchen gebildet werden können.

Symptome

Die klassischen Symptome einer Anämie sind blasse Schleimhäute, Kurzatmigkeit, Schwäche, erhöhter Puls und schnelle Ermüdung. Oft sind die eigentlichen Symptome jedoch mit denen der Grunderkrankung vermischt, so dass die Zuordnung nicht immer einfach ist. Je plötzlicher und schneller sich eine Anämie entwickelt, desto deutlicher sind die Symptome. Ein langsam abfallender Hämoglobin-Spiegel wird vom Organismus bis zu einer Untergrenze toleriert. Bei Unterschreiten dieser Grenze kann es jedoch auch direkt zu einem abrupten Kollaps kommen.

Anhand der Symptome der Grunderkrankung können Rückschlüsse auf die Art der Anämie gezogen werden. So sind beispielsweise Haut- oder Schleimhautblutungen ein Anzeichen für Gerinnungsstörungen und der Nachweis von Blut oder Parasiten im Kot ein erster Hinweis auf eine okkulte (=verborgene) Blutung. Entsteht die Anämie durch vermehrten Blutabbau kommt es durch das Freiwerden des Blutfarbstoffes zu einer Gelbverfärbung der Schleimhäute, einem Ikterus (=Gelbsucht).

Maul eines Hundes
Blasse Schleimhäute sind typische Anzeichen einer Anämie
Diagnose

Während einer allgemeinen Untersuchung erhält dein/e Tierärzt:in erste Anhaltspunkte einer Anämie wie Mattigkeit, Gelbsucht oder Schleimhautblutungen. Je nach Grunderkrankung sind unterschiedliche weiterführende Untersuchungen notwendig.

Die Untersuchung des Blutes gehört bereits zum Standard und liefert deinem/deiner Tierärzt:in wertvolle Informationen zum Gesundheitszustand deines Hundes und kann Hinweise auf Krankheiten erhalten. Routinemäßig wird bereits in einem kleinen Blutbild der Hämatokrit bestimmt, welches den Anteil der roten Blutkörperchen am Gesamtvolumen des Blutes darstellt. Ist er erniedrigt, liegt eine Anämie vor. Der genaue Typ der Anämie lässt sich allerdings nur mit weiteren Laboruntersuchungen bestimmen.

Behandlung

Grundsätzlich ist das Ziel, die zu Grunde liegende Erkrankung zu behandeln. Liegt jedoch eine schwerwiegende Anämie vor, gilt es, diese zuerst symptomatisch zu behandeln, um deinen Hund zu stabilisieren. In lebensbedrohlichen Fällen muss eine Bluttransfusion verabreicht werden. Gleichzeitig werden die Folgen einer Anämie wie etwa der Sauerstoffmangel durch Sauerstoffgaben gelindert. Die weitere Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Die Blutwerte deines Hundes sollten über einen längeren Zeitraum engmaschig kontrolliert werden.

Prognose

Anämien können durch eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen ausgelöst werden. Eine umfassende Prophylaxe ist daher kaum möglich. Du als Tierbesitzer:in kannst deinen Hund jedoch mit einem ausreichenden Impfschutz vor Infektionskrankheiten wie Staupe oder Parvovirose schützen, die Anämien verursachen können. Auch eine entsprechende Parasitenprophylaxe kann beispielsweise vor durch Zecken übertragene Blutparasiten schützen.